[DIY] (Foto)Schachtel mit Deckel

Hallöchen,

in unserer Ausbildung zur Ergotherapeutin gab es ein Fach das hieß Pappe und Papier. Dort wurden uns verschiedene Dinge gezeigt, die man mit Pappe und Papier in einer Therapie herstellen könnte. Unter anderem war dort die Schachtel mit Deckel dabei. Der Deckel ist bei mir gesteckt, nicht geklappt. Diese Schachtel möchte ich euch hier vorstellen und auch gleich die Anleitung liefern. Ihr könnt euch die Maße so anpassen, dass ihr die Schachtel nutzen könnt, für was auch immer ihr sie braucht.

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P.S. Gleichzeitig schult ihr korrektes Arbeiten, Konzentrationsfähigkeit, das Einhalten von Arbeitsabläufen, spontanes Entscheiden bei entstandenen Fehlern. Ihr verbessert Feinmotorik sowie Druckdosierung. Ihr seht nicht nur die Schachtel ist sinnvoll. 🙂

Material:

  • Graupappe 2,5 mm Stärke
  • Buchbinderleinen
  • Bezugspapier für Außen (selber gemacht, Glanzapier oder Tapete) und
  • Spiegelpapier für Innen (selber gemacht, z.B. Marmorierpapier, Glanzpapier oder Tapete)
  • Ponal wasserlöslich (Holzkaltleim)
  • Ponal- Tapetenleim-Gemisch (1/2 zu 1/2)

Werkzeuge/ Zubehör:

  • Bleistift, Radiergummi, Spitzer
  • Lineal, Stahllineal
  • (Geo)Dreieck, Stahlwinkel
  • Schere
  • Cuttermesser und Schneidunterlage
  • Falzbein
  • Holzstäbchen (Zahnstocher ohne Spitze)
  • Pinsel
  • Papier, Zeitung
  • Lappen

Skizze aller Teile

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Arbeitsablauf:

  1. Die Laufrichtung der Graupappe bestimmen
  2. Die Maße für die Kiste auf die Graupappe auftragen. Also Boden, 4 Seitenwände, 2 mal länger und 2 mal kürzer ABER nicht einzeln, sondern ALLES KOMPLETT.(Siehe Skizze Bild) Dies hat den Vorteil, dass die Kiste dann stabiler wird. Ihr könnt auch alle einzeln auftragen, aber dann hält euch nur der Buchbinderleinen die Seiten zusammen. Dann müsstet ihr nicht nur 4 Seiten und 4 Bodenflächen Leinen schneiden, sondern das Doppelte.
  3. Ausschneiden des gesamten Teils. Am besten geht es mit dem Cuttermesser und einem Stahllineal
  4. Bodenkante auf der AUßENseite ca. 2/3 der Pappstärke ritzen (siehe unten Arbeitstechniken). Am besten mit Cuttermesser und Stahllinieal
  5. Dann das Ganze umdrehen und auf der Innenseite an denselben Linienrillen (siehe Arbeitstechniken weiter unten) mit Falzbein und Lineal.
  6. Zuschneiden der Buchbinderleinen. Bodenkanten und Seitenkanten sowie Oberkante, wenn du nicht den geklappten Deckel hast. Wie das geht und welche Maße findet ihr unter der Überschrift Leinenzuschnitt Kiste
  7. Dann kannst du dir überlegen, ob du gleich die Deckelteile ausschneidest, was jetzt bei geklappten Deckel Pflicht wäre oder ob du dies machst, wenn deine Kiste trocknet. Dies würde ich dir empfehlen.
  8. Leinen kleben. Zuerst zeichnest du dir Hilfslinien auf der Außenseite deiner Kiste auf. Der Abstand zum Rand beträgt 1,5 cm. Dann faltest du dir die Buchbinderleinenstreifen vor. Lege sie auf und prüfe, ob du sie so kleben kannst. Dann beginnst du dir die Leinen so zu sortieren, dass du einen Überblick hast, wo du welche Seite liegen hast. Die Leinen werden Außen geklebt.
    Das Kleben: Ich würde zuerst alle Leinenteile des Bodens, bis zur Mittelbruchlinie, also innerhalb deiner Hilfslinie, auf den Boden ankleben, sodass du nur die Hälfte jeden Bodenleinen klebst. Dann würde ich es leicht antrocknen lassen und eine Seitenwand anklappen. Jetzt streichst du die 2. Hälfte des jeweiligen Bodenleines mit Ponal ein, also die der hochgeklappten Seite und befestigst die Hälfte an der hochgeklappten Seitenwand. Enden müsste diese an deiner Hilfslinie, wenn du eine gezogen hast. Für die anderen 3 Seiten würde ich dir empfehlen, die Kiste auf die Seite legen. So bekommt die frisch geklebte Seite gleich noch Halt und springt nicht wieder auf. Jetzt klebst du auch die 3 fehlenden Seiten fest, indem du die Wände ankippst. Deinen halben Leinenstreifen, der am Boden befestigt wurde musst du mit Leim einstreichen und diesen halben Streifen an der Wand befestigen. Achte darauf, dass deine Wände im rechten Winkel zum Boden stehen. Jetzt fehlen nur noch die Seitenleinen
  9. Nun nimmst du dir deine vorbereiteten Seitenstreifen. Diese müssten eine Spitze und eine gerade Seite haben. Am besten du stellst dir deine Kiste an eine Lehne, damit die Seiten stehen bleiben. Oder du suchst dir Jemanden der dir Halten hilft. Zuerst nimmst du dir ein Seitenleinen und legst es mittig an die Kante von einer langen und einer kurzen Seitenwand (Ecke an Ecke). Es müsste auf jeder Wand die Hälfte der Leinen liegen, dies kannst du an deinem Mittelpfalz, den du vorher ja gemacht hast, kontrollieren. Die Spitze endet am Boden. Die Zugabe an den Leinen zeigt über die Seitenwand.  Wenn dem so ist, streichst du erst eine Seite des Leinens mit Ponal ein und klebst es auf eine Wand, z.B. der Kurzen, und dann die zweite Hälfte und klebst diese auf die andere Wand, z.B. der Langen. Jetzt hast du deine erste Ecke fertig. Mache dies mit den anderen 3 Ecken genauso. Wenn du alle Ecken geklebt hast, müsste deine Schachtel bereits stehen.
  10. Jetzt musst du noch die Zugaben, also das was übersteht von den Seitenteilen komplett mit Leim bestreichen und nach Innen umschlagen. Die Ecken kannst du mit Hilfe des Falzbeines eindrücken.
  11. Nun nimmst du dir die oberen Randleinen die du vorbereitet hast, insofern du welche anbringen wolltest, und klebst diese auf den oberen Rand der Kiste. Wieder beachtest du deinen Mittelpfalz und legst es vorher zum Testen auf. Du kannst, je nachdem wie sicher du bist, bei den kurzen Seiten auch gleich den kompletten Leinen mit Kleber einstreichen. Oder du gehst auf Nummer sicher und klebst erst wieder die äußere Seite fest, bestreichst die Innere mit Leim und schlägst diese nach Innen um. Wenn du ordentlich gemessen hast, müsste es ringsherum etwa auf gleicher Höhe sein. Nun ist das Grundgerüst der Kiste fertig.
  12. Jetzt geht es an das Bezugspapier. Oder du machst erst deinen Deckel fertig. Je nachdem für welchen du dich entschieden hast. Wie die Deckel hergestellt werden findest du unter der Überschrift Deckelformen. Hattest du dich für einen Klappdeckel entschieden, müsstest du ihn bereits an deiner Kiste befestigt haben, mit Hilfe des Buchbinderleimes an der oberen Kante an der Hinterseite der Kiste.
  13. Egal wie du dich entschieden hast, das Prinzip des „Verzierens“ mit Bezugspapier ist gleich. Du kannst dein Bezugspapier selber gestalten z.B. durch Marmorierpapier oder mit Hilfe der Serviettentechnik, Glanzpapier oder wie auch immer du dein Papier verziert hast. Ich hatte damals in der Schule das Marmorierpapier gewählt. Wie das geht erfährst du in weiteren Blogbeiträgen. Dann es gibt auch noch weitere Möglichkeiten Papier zu gestalten. Hier ist nur wichtig wie du es auf deine Kiste bekommst. Wir gehen jetzt mal von Marmorierpapier oder Tapete aus. Siehe Arbeitsschritt Beziehen der Kiste mit Bezugspapier (ganz unten)
  14. Nun ist die Kiste fertig. Jetzt kannst du noch Fotos darauf kleben oder sie so verzieren, dass du gleich weißt was drinnen ist oder du lässt sie so.

Beachte:

Ihr habt 2 Arbeitstechniken:

a) Ritzen:

  • An der Außenseite, an der gekennzeichneten Bruchkante 2/3 der Pappstärke einritzen
  • Dies geschieht mit einem Cuttermesser. Am besten ihr legt eine Schneidunterlage darunter und verwendet für gerade Linien ein Stahllineal, das ist schwerer.
  • Kontrollieren, ob ihr tief genug geritzt habt, könnt ihr anhand der Beugeprobe. Wenn ihr einen Winkel von 45° erreicht, seid ihr perfekt. Aber Achtung: Pappe kann reißen, daher bitte nicht mit Gewalt knicken.

b) Rillen:

  • An der Innenseite der Pappe von Ecke zu Ecke
  •  nicht einritzen, sondern mit einem Falzbeil über deine angezeichnete Linie ziehen
  • Kontrollieren könnt ihr es durch Knicken nach außen. Entsteht ein Winkel von 80° habt ihr genug gerillt.

Leinenzuschnitt Kiste: (Deckel je nach Form)

Ihr benötigt Leinenzuschnitte für die 4 Bodenkanten und die 4 Seitenkanten.

Für die Bodenkanten benötigst du zwei lange Streifen und zwei kurze Streifen. Die langen Streifen haben die Länge der Kantenlänge des Bodens und eine Breite von 3 cm. Die kurzen Streifen haben folgende Maße: die Länge entspricht den Seitenlängen der Kiste und die Breite wieder 3 cm.

Für die Seitenkanten benötigst du 4 Seitenstreifen. Die Länge entspricht der Höhe der Kiste plus Zugabe von 1,5 cm. Die Breite wieder 3 cm. Unten entsteht eine Spitze, welche zum Boden zeigt. Diese erhältst du, indem du die Leinen in der Mitte knickst und die Hälften übereinanderlegst. Dann faltest du eine Hälfte bis zum Mittelbruch. So erhältst du die Höhe. Dann scheidest du von der Mitte nach Außen schräg. Zieh dir dafür eine Hilfslinie damit die Seiten gleich werden.

Für den Oberen Randleinen gehst du genauso vor wie bei den Bodenkanten, außer du nutzt den Klappdeckel, dann sind die oberen Leinen anders. Dies findest du direkt bei der Deckelform Klappdeckel. Du musst aber keinen Randleinen ziehen, dann musst du dafür dein Bezugspapier nach Innen Umschlagen.

Deckelformen:

Klappdeckel:

Dies finde ich, ist der komplizierteste Deckel. Ihr befestigt im Prinzip die bezogene/nicht bezogene Graupappe mit zwei Leinenstreifen an der Außenwand. Die Länge entspricht dabei der Außenkante der Kiste, ebenso wie die Breite. Hier ist sehr genaues Arbeiten gefragt.  Die Außenleinenzuschnitte sollten in der Länge der Kantenlänge des Deckels entsprechen und in der Breite 2 x 1,5 cm (=3 cm) zum Verkleben, + 2 x Pappstärke ( =0,5 cm). Also 2 x 1,5 + 2 x 0,25. Die Innenleinenzuschnitte sollen so lang sein, wie die Länge der Seitenwand, minus 2x Pappstärke. 2x 0,25= 0,5cm. Die Breite der Innenleinen sind 2 x 1,5 cm zum Verkleben + 2 x Pappstärke. Also 3 cm + 0,5 cm.

Und so geht es nun:
Der Außenleinen wird an der vorher aufgezeichneten Hilfslinie am Deckel angeklebt. Dann misst du die Pappstärke (0,25 cm) auf der Papierseite vom Mittelbruch des Leinenstreifens ab und schneidest die Ränder rechts und links an. Diese Seite wird dann an der Kiste außen angeklebt. Die vorderen Ecken des Deckels werden mit den Leinenecken bezogen. Siehe Anleitung Ecken kleben (Foto). Nun streichst du die Innenleinen mit Kleber ein und passt sie an. Dabei wird die Schachtel auf die Seite gelegt und der Deckel aufgeklappt. Das ist wichtig, damit der Deckel später hält und nicht zu straff ist und du ihn nicht mehr richtig aufbekommst. Wenn du dir Hilfslinien an der Innenkante des Deckels ziehst, hast du eine Orientierung zum Ansatz für das Leinen. Leinen flach auflegen und warten bis diese getrocknet sind, dann mit dem Falzbein die Kanten einrillen.

Die Leinen für die Ecken des Deckels sind nur in Kurzform beschrieben (Foto). Genauer werden sie bei der Herstellung einer Klappmappe beschrieben. Dieser Beitrag wird in der nahen Zukunft entstehen.

ablauf-ecken

Steckdeckel:

Das Prinzip ist das Gleiche wie bei der Schachtel; nur ist die Grundfläche/ Deckelfläche mindestens an jeder Seite 0,5cm besser 1,0 cm breiter bzw. länger, als die Bodenfläche. Grund ist, sonst passt der Deckel nur oben drauf, er soll aber an der Kante vorbei rutschen.

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Deckel zum Auflegen:

Hier werden im Prinzip 2 Graupappen aufeinander geklebt, wobei die Innere kleiner ist wie die Äußere. Die Äußere nennt sich Deckelpappe, die Innere Spiegelpappe. Die Graupappe wird etwas größer, d.h. länger und breiter hergestellt, wie die Schachtelgrundfläche. Je 0,5 cm breiter und länger. Die Spiegelpappe hingegen wird an jeder Seite je 0,5 cm kleiner hergestellt. Die Deckelpappe wird vor dem Zusammenkleben mit Bezugspapier bezogen. Allerdings nur die später sichtbare Außenseite. Aber beachtet, dass ihr die Maße etwa 1-1,5 cm länger und breiter wählt und das Bezugspapier nach innen umschlagen solltet. Dann die 2 Teile zusammenkleben und trocknen lassen. Anschließend die  Innenseite beziehen.

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Beziehen der Kiste mit Bezugspapier:

Außen:

Zuerst nimmst du die Maße der Flächen die bedeckt werden sollen, also so, dass keine Graupappe mehr durchschimmert. Dafür kannst du dir dünne Hilfslinien ziehen, die dir später beim Aufkleben deines Bezugspapiers helfen können. Wenn du ordentlich gearbeitet hast und nicht improvisieren musst, kannst du auch folgende Formel nehmen: Am Boden: Länge und Breite minus 2 x 0,5 bis 1,0 cm. Die langen Wandseiten: Länge= Länge der Seiten minus 2 x Seitenabstand (0,5 cm). Also ein Abstand von 1cm. Die Breite= Wandhöhe minus Unterkante Abstand (0,5 cm). Z.B 10 – 0,5 = 9,5.  Solltest du keine Leinen am oberen Rand befestigt haben, dann das Ergebnis plus Zugabe von 0,25 cm Pappstärke und 1,5 cm Umschlag nach Innen.  Die kurzen Wandseiten: Länge= Länge der Wandseite minus 2 x Seitenabstand (0,5 cm). Also Länge – 1,0 cm. Die Breite berechnest du wie bei der langen Wandseite, je nachdem ob du umschlagen musst oder Leinen hast.

Innen:

Kurze Wandseite: Es werden links, rechts und unten zum Innenmaß + 1 cm dazu gegeben. An der Oberkante wird 0,5 cm also minus 0,5 cm abgezogen. Du zeichnest dir deine Grundfläche ein, damit du siehst was Zugabe ist. An diesen Linien gehst du mit dem Falzbeil lang. Dies sind die Kanten, die in die lange Seite bzw. in den Boden verlaufen, da du die Inneren Ecken ja noch verdecken musst. Wenn du die Innenseiten eingeklebt hast, musst du auf der umgeschlagenen Seite vom Rand nach Innen eine Hilfslinie von 0,5 cm ziehen. Dies dient dir zur Orientierung beim Einkleben von dem Bezugspapier der langen Wandseite.
Lange Wandseite: Im Innenmaß muss in der Länge und Breite je 0,3 cm abgezogen werden. In der Höhe muss zum Gesamtmaß unten eine Zugabe von 1cm und oben ein Abzug von 0,5 cm stattfinden. Die Hilfslinien der Zugabe wieder mit dem Falzbein einrillen. Die Zugabe wird in den Boden eingeschlagen.
Der Boden: Dort darfst du das genau passendes Papier einkleben. Also Länge du Breite minus 0,3 mm.

So nun ist deine Schachtel endlich fertig und verziert. Du hast es geschafft. Endlich eine schöne eigene Kiste. Du hattest Fehler gemacht und musstest sie korrigieren? Deine Kiste ist nicht so schön geworden oder du hast meine Anleitung nicht verstanden? Dann melde dich ruhig bei mir, damit ich sie verständlicher schreiben kann. Beim ersten Herstellen in der Schule bin ich bald verzweifelt und war froh, dass uns die Lehrerin geholfen hat. Aber ich habe festgestellt Übung macht den Meister und die Zweite war dann schon besser.

LG und nie den Mut verlieren.

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sabrina sagt:

    Echt eine schöne Idee! Mir gefällt die Idee richtig gut und man kann noch so viele eigene Ideen rein bringen ❤

    Liebste Grüße
    Sabrina

    https://sabrinaharth.com

    Gefällt 1 Person

    1. zwinkerling sagt:

      Stimmt und deine Kleider zum verschenken darin verpacken. 😁

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      1. Sabrina sagt:

        Haha, Genau! 😉

        Gefällt 1 Person

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